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Eine Ausführliche stichpunktmässige (tabellarische) 

Biographie Hans Nowak

finden Sie als  letztes Kapitel im

neuen Buch über den Künstler

Infos zum Buch beim Kettler-Verlag

(Herausgeber: Chr. Seefeldt)


geplante Texte:             

Kein Guter Soldat

Eine moderne Familie "Patchwork..."



Frankreich

Ateliers

Malerhöfe

Filmerei

Lötschental

Zoo und Falknerei
"Auto-Biographie"

Tiere und Menschen



                    

Die Bilder auf Jute                 (bearbeitet zuletzt 24.3.2026)

(von H.Gehlig)

Während meines Studiums in den 70-er-Jahren hatte ich bei einer uns seit frühester Kindheit gekannten und geschätzten Freundin meiner Mutter ("Tante Heide" genannt, da sie sowohl ein Heide-Fan war als auch "Adelheid" hiess) ein Nowak-Heide-Bild auf Jute gemalt gesehen. Es war ein Querformat, mit der typischen violetten Heide-Farbe für weite Bereiche der Bodenbedeckung. Die "Findling-artige" Form des Malerei-Bereiches mit dem drum herum sichtbaren Jute-Stoff imponierte uns sehr wegen der Schönheit dieses Eindruckes !


Tante Heide kannte das Gehlig'sche erste Nowak-Bild seit Mitte der 60er-Jahre, und sie schilderte gerne, dass sie eines Tages über eine Galerie Hans Nowak ansprechen liess, warum er fast immer nur Moor-Bilder male und nicht auch mal Heide? Angeblich habe er daraufhin einige Heide-Bilder gemalt - eines davon sei das bei dieser "Tante Heide" hängende. Uns erinnerte die rundlich-ovale Begrenzung des Motivbereiches des Bildes an einen Findling, so wie er in der Heide vorkommt - das fanden wir überaus passend (auch in der Kombination mit dem Jute-Untergrund). Ausserdem war das Bild wunderschön und ein typischer Nowak...


Tante Heide war Rektorin in Hannover - also durfte man sich auf ihre Berichte und Erzählungen eigentlich immer durchaus verlassen... (allerdings gibt es keinerlei Hinweise aus Nowaks Autobiographie oder der familiären Erinnerung zu dieser Episode).  Nach ihrem Tod ist das Bild aber in der Familie verschwunden und es gibt keinen Kontakt zu den seitherigen Besitzern.


In seiner Autobiographie - die Herrichtung und Ausstattung seines ersten "Malerhofes" in Mödesse (Frühjahr bis Frühsommer 1961) schildernd - hat uns Hans Nowak auf Seite 207 die Arbeitsweise beim Malen seiner Bilder auf Jute-Untergrund beschrieben, wie er sie bereits für die Austellung in der Böttcherstrasse in Bremen im selben Jahr gemalt habe: gespachtelte Kreide-Leim-Schicht in asymmetrischer Form - dann die Farbe pastös aufgetragen und  mit einem Spachtel wieder heruntergenommen, so dass quasi "zufällige" Farbeffekte entstehen, die "bewusst" nicht so gemalt werden können. Diese Technik war also schon deutlich vor dem Erwerb des ersten Gehlig'schen Nowak-Moorbildes (1964/65) und insofern auch lange vor dem von der "Tante Heide" geschilderten "Animieren" Nowaks zu Heide-Bildern in Gebrauch (sofern wirklich geschehen, vermute ich für Tante Heides Aktion eine Zeit um das Ende der 60er-Jahre). Bei der Eröffnungsausstellung des ersten "Malerhof-Ateliers" seien insofern auf Jute gemalte Bilder auch mit dabei gewesen...

Aus der Schilderung in der Autobiographie kann man entnehmen, dass die rundliche Begrenzung der Motivfläche nun durchaus nichts mit "Findling"-Assoziationen zu tun hatte - insofern wundert es nicht, dass dies auch bei auf Jute gemalten Bildern vorkommt, die nichts mit Heide oder Gebirge zu tun haben. Aber das wussten wir damals noch nicht...

 

Die wenigen heute bekannten Bilder auf Jute-Untergrund sind von den Motiven sehr unterschiedlich - Bekannt sind Portraits (eines m / zwei w) als auch ein Blumen-Stillleben. Bei einem Frauen-Portrait wurde der Jute-Überstand verkleinert und mit nur geringer Jute-Umrandung der Bildfläche auf einen kleineren Keilrahmen gespannt, so dass die Jute nur schmal an wenigen Stellen sichtbar bleibt. Ein weiteres Frauen-Portrait ist zwar auf Jute-Untergrund gemalt, aber die Motiv-Fläche geht an allen vier Seiten bis zum Rand des Keilrahmens - dafür erscheint die Methode der Befestigung der Jute auf dem Keilrahmen (mit Flachkopf-Stahl-Stiften) "typisch Hans Nowak" zu sein: in der gleichen Art ausgeführt wie beim Blumen-Stillleben. Zwei Bilder in Vechelde (Portrait m) und Braunschweig (Blumen-Stillleben) sind in ihrem originalen Zustand erhalten, wie ihn Hans Nowak in seiner Autobiographie beschreibt... Letzteres zeige ich hier (wie auch das "vollflächig auf Jute" gemalte Frauenkopf-Bild). 

Das Männer-Portrait „auf Jute“ aus Vechelde ist im Abschnitt "Biografie" des Seefeldtschen Buches und auf der Homepage der Familie Weich (Vechelde) abgebildet. 

Es gibt noch eine Abbildung in einem Zeitungsbericht, wo ein weiteres Jute-Bild in einem s/w-Foto gezeigt wird. Es wird "Mödesser Dorfstraße" betitelt. Herr Seefeldt konnte mir diesen Zeitungsausschnitt als Datei zeigen (danke!).

Irgendwie meine ich sogar, noch eine weitere Abbildung eines Jutebildes mal gesehen zu haben oder mich daran zu erinnern - aber da könnte ich mich auch irren...


Dass Hans Nowak diesen Jute-Bildern eine recht detaillierte Schilderung der Arbeitsweise in seiner Autobiographie zugedacht hat, lässt vermuten, dass es von diesen Bildern noch einige Weitere geben muss. Allerdings ist aufgrund der „Schlabberigkeit“ des Jute-Untergrundes die Stabilität des Farbauftrages gefährdet, so dass am Rand oder auch innerhalb des gemalten Bereiches gerne mal Farbe abbröckelt. Insofern könnten auch solche Werke mal als „beschädigt“ vernichtet worden sein…


Inzwischen ist ein Bild aufgetaucht, das auf einer Leinwand mit Jute-artiger Stuktur gemalt ist, aber (sichtbar am Rand des Keilrahmens) eine helle - fast hellgraue - Farbe aufweist. Hierbei ist die juteartige Leinwand recht straff auf dem Rahmen (Keilrahmenteile ohne Keile) montiert. Das Motiv ist dabei vollflächig und äußerst pastös aufgetragen - kein Jute-Rand für den Betrachter erkennbar... Als Erwerbs-Zeit wurde "um 1970" mitgeteilt (Nowaks Schilderung seiner Maltechnik auf Jute berichtet von der Zeit Frühjahr 1961 mit Hinweis auf die kurz zuvor bereits für die Böttcherstraße-Ausstellung derart gefertigten Bilder, das späteste mir bekannte auf brauner Jute gemalte Bild wurde 1964 verkauft.  Da gibt es durchaus Bedarf an Klärungen für den Biographen...)



Die Bilder auf Blattgold                     (bearbeitet zuletzt 28.7.2025)

(von H.Gehlig)


Nowaks Bilder auf Blattgold-Untergrund sind in Zeitungsartikeln früher (ca.1988) zwar beschrieben - auch auf die von Nowak offensichtlich erfolgte oder geplante "Patentanmeldung" wurde dort bereits hingewiesen. Aber in diesen alten Zeitungs-Berichten fand ich keine (annähernde oder detaillierte) Angabe der Arbeitsweise des Künstlers für diese Bilder auf Blattgold. Auch ist beim deutschen Patentregister kein Vorgang bekannt, dass Nowak diesbezüglich dort kontaktiert wurde. Dies wäre auf jeden Fall archiviert, wenn ein Patent erteilt worden wäre (und die patentierte Methode hätte dann darin beschrieben werden müssen). Somit gibt es keine schriftliche Darstellung der Arbeitsweise Nowaks, seine Bilder auf Blattgold-Untergrund betreffend. Sollte Nowak diesbezügliche Unterlagen in seinem Atelier aufbewahrt haben, könnten sie auch bei dem Atelierbrand verloren gegangen sein (der ja 2 Jahre nach 1988 geschah - dem Jahr mit den meisten "Blattgold-Bildern"). Auch in der Autobiographie fand ich nur eine Schilderung der Arbeitsweise für die Bilder auf Jute, nicht aber für die auf Blattgold.

{??? Autobiographie nochmals nach Hinweisen durchsehen !!!}

Bei Seefeldt sind 2025 erstmals 4 dieser Werke  farbig abgebildet (datiert ab 1984 bis in die 90er-Jahre!) - ein weiteres aus der Sammlung Weich ist auf dessen Homepage abgebildet. Die fotografische Darstellung ist allerdings schwierig, da die Leuchtkraft kaum in einem zweidimensionalen Foto darstellbar ist - sie scheint vollständig nur im Rahmen wechselnder räumlicher Blickrichtungen und Lichteinfallswinkel erlebbar zu werden.


Ich kann dies anhand eines "Clown" erleben (ich nenne ihn "Gold-Clown") und Besuchern auch zeigen - wozu eine wechselnd von seitlich strahlende Lichtquelle sehr hilfreich ist. Aber auch ohne diese "Licht-Unterstützung" sind die Blattgold-Rechtecke durch die transparenten Farb-Lasuren und die ungewöhnliche Leuchtkraft bei diesem Gold-Clown deutlich erkennbar - auch dies ist jedoch fotografisch recht schwer darstellbar. Eine aus meiner Sicht relativ gut gelungene Darstellung der Blattgoldstrukturen habe ich in groß oben vor diesen Essay eingestellt (und werde aber gelegentlich weitere Versuche machen...).


Für die (nähere) Zukunft plane ich eine video-basierte Darstellung dieser Leuchtkraft und durchscheinenden Goldstrukturen für meine Homepage.



Beschreibung der Arbeitsweise:

Den Untergrund seiner Blattgold-Bilder hat Nowak in der gesamten bemalten Fläche mit Blattgold belegt. Im Gegensatz zu anderen künstlerischen Blattgold-Untergründen, die meist nur die Bereiche "belegen", in denen das Blattgold später offen zutage tritt, hatte Nowak dadurch eine freie Motivgestaltung und benutzt die Leuchtkraft des Goldes als eine die transparenten Farbschichten überhöhende Lichtverstärkung, nicht jedoch als goldene Farbe an sich. Die Blattgold-Quadrate sind dabei wegen der Transparenz der Farbschichten durchaus noch erkennbar, was im obigen Foto gut zu erkennen ist. Anhand der Fotos im Seefeldt'schen Nowak-Buch vermute ich, daß für die Farbschichten bei mit kräftigen Konturen aufgebrachten Motiven eine Beeinträchtigung dieser Transparenz nicht zu vermeiden ist. Das bleibt aber solange eine Vermutung, bis ich die gezeigten Blattgold-Bilder selbst sehen konnte. Eines aus der Nachbarschaft bei Brigitte Upmann konnte ich bereits sehen (dies ist nicht bei Seefeldt gezeigt...) - dort ist die Leuchtkraft und Transparenz ähnlich eindrücklich wie beim Gold-Clown!  


Transparente Lasuren hatte Nowak im Rahmen seiner Herstellungsversuche altmeisterlicher Farbrezepturen entwickelt, da diese in der Lasurtechnik der Alten Meister vorkamen und für deren Nachempfindung benötigt wurden. Spätestens Mitte bis Ende der 80er-Jahre hatte er dies derart zur Perfektion gebracht, daß er verloren gegangene Bildwerke (überwiegend Kriegsverluste) in ihrer ursprünglichen Farbigkeit und Technik "neuschöpfen" konnte. Jürgen Dieckhoff schrieb darüber 1992: "So glich sein Voigtholzer Atelier im Herbst 1987 einem Museum von internationalem Rang."


Es ist ein naheliegender Gedanke für Hans Nowak, diese Transparenz seiner Lasuren für leuchtkräftige Untergründe wie Blattgold zu verwenden, welches die Farbigkeit ähnlich (aber anders) überhöht als ein mineralisch weisser Malgrund.



Fälscher oder nicht, das ist hier die Frage

von H.Gehlig (17.08.2025)


Anlässlich der Ausstellung in Halle/Saale wird Hans Nowak in einigen der darüber berichtenden Veröffentlichungen als "Fälscher" bezeichnet. Dabei hat  (zumindest habe ich dies so gehört...) der Kurator Prof. Lindner auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Hans Nowaks "Husarenstreich" und der Aktivität eines Kunstfälschers hingewiesen.

Bilder im Stil anderer hochkarätiger Künstler zu malen, diese als fremde Werke anzugeben und deswegen damit viel Geld zu verdienen, wäre die Intention eines "Fälschers". Diese Intention hat Hans Nowak nie gehabt!


Ausser bei seinem "Husarenstreich": der gewollten Offenbarung der etablierten damaligen Kunstwissenschaft als "Nicht-Kenner der historischen Farb-Rezepturen" hat Hans Nowak alle seine "nachgeschöpften Werke" mit dem eigenen Namen signiert - entweder auf der Rückseite in Klarschrift - oft aber auch mit Bleiweiss unter den bildlichen Farbschichten. Somit sollte bei einer kunstwissenschaftlichen Untersuchung der entsprechenden Bildwerke im Röntgenbild die Urheberschaft Hans Nowaks klar offenbar werden.


Die Phasen der Neuschöpfung der "Staalmeesters" habe ich bei Besuchen in 
Nowaks Atelier z.T. mitbekommen und sogar von Hans Nowak beschrieben bekommen - wobei er großen Wert auf die Übereinanderschichtung vieler transparenter Lasuren in schichtmässigem Aufbau legte.

"1987 glich sein Atelier einem Museum von internationalem Rang" schrieb Jürgen Dieckhoff über diese Phase des künstlerischen Schaffens für das Buch über Hans Nowak zu dessen 70ten Geburtstag.


Als die "Nachtwache" im Amsterdamer "Rijksmuseum" schwer beschädigt wurde, hörte man von der Kunstwissenschaft, daß man dies nicht derart wiederherstellen könne, daß es nicht mehr sichtbar sei, da man die altmeisterlichen Farbrezepturen nicht kenne. Nowak informierte mit leisem Protest, daß er durchaus die Rezepturen aus der Zeit Rembrandts erforscht habe und herstellen könne - was die Verantwortlichen jedoch entweder nicht glaubten oder nicht glauben wollten.


Nun waren die Farb-Herstellungsversuche Hans Nowaks sehr pragmatisch und unter Anwendung von Hinweisen aus alten Schriften "ausprobiert" betr. Stabilität und Gleichmäßigkeit der Mischung sowie Alterungsbeständigkeit / Trocknungseigenschaften. Eine labormäßige Analytik der in den alten Farben vorhandenen Elemente scheint Hans Nowak noch nicht zur Verfügung gestanden zu haben. Dadurch konnten die Museums-Wissenschaftler leichter behaupten, daß Hans Nowaks Forschungsergebnisse für die Restaurierung oder Wiederherstellung alter Gemälde nicht geeignet wären.


Was lag dann also näher, als den Beweis anzutreten, daß er mit seinen historischen Farbrezepturen besser war, als die Kunstwissenschaft ihm zuzutrauen bereit war?


Das realisierte Hans Nowak einerseits mit seinem Husarenstreich der 1968er-Kunstaktion, andererseits mit den "nachgeschöpften" Bildern, mit denen er zerstörte Gemälde (überwiegend Kriegsverluste) in den 80er-Jahren Wieder-Erstehen ließ - oft aufgrund lediglich vorhandener schwarz-weisser Reproduktionen.



Kurzzeitig soll Hans Nowak sogar einen Lehrauftrag an der HBK Braunschweig zum Thema der "alten Farb-Rezepturen" bekommen haben - leider sind in der HBK darüber keine Dokumente mehr vorhanden - auch nicht im Landesarchiv...


Das ist eigentlich (und sogar "mehr" als...) die Tätigkeit eines "Kopisten", der neben der Vorlage sitzend eine möglichst genaue Kopie dieser anfertigt, um damit das Original-Werk zu "schonen", indem es nicht der angriffigen Welt ausgesetzt bleibt - aber nicht die Intention eines "Fälschers", der die Interessenten an dem erzeugten Bild über dessen Herkunft täuschend zur Zahlung eines besonders hohen Gegenwertes zu seinen eigenen Gunsten verleiten versucht. 

(Ein schönes filmisches Beispiel solcher "schützender" Intention eines Kopisten ist der Krimi "Der Tod kommt nach Venedig". Viel Spaß beim Suchen nach diesem Film...).


Das einzige Mal, daß Hans Nowak ein Bild im Stile eines berühmten Malers hergestellt hat, ohne seinen eigenen Namen darauf oder darunter/dahinter zu dokumentieren, wollte er gerade zeigen, daß die "Kunstwissenschaft" sich mit Nowaks Forschungsergebnissen in Punkto Farbrezepturen der alten Meister nicht so gut auskannte wie Hans Nowak selbst. Die Intention war also nicht, die Mehrung des eigenen Profits - er wollte beweisen, daß er die Farbrezepturen der Meister beherrschte.


Dazu passt auch, daß Nowak dieses im Stile von Claude Monet gemalte und auch mit "Claude Monet 77" signierte Bild zwar auf einer alten Leinwand aus der passenden Zeit gemalt hat, nach der Fertigstellung und Durchtrocknung aber das früher auf dieser Leinwand vorhandene Bild eines Liebespärchens am Strand wieder "drübergemalt" hat - wenn auch mit einigen künstlich erzeugten Farbverlust-Bereichen, die etwas von dem sonst nicht offensichtlichen "Untergrund-Monet" erahnen ließen.


Der Freund Kiesel, der dieses derart "beschädigte" (ihm aber angeblich so sehr am Herzen liegende) Liebespärchen-Bild repariert habe wollte, hatte natürlich zusammen mit Hans Nowak - den Streich ausheckend - mit derEntdeckungs-Wut des Restaurators gerechnet. Die trat dann ja auch wie erwartet ein...


Jetzt könnte man philosophisch fragen, ob diese Aktion nicht auch einen geldwerten Vorteil für Hans Nowak erzeugen sollte (und damit dem Bereich der Fälschung zugeordnet werden kann) - jedoch war die ganze Intention des "Husarenstückes" der Beweis vor der offiziellen "ungläubigen" kunstwissenschaftlichen Welt, daß Hans Nowak die Farben der alten Meister so gut herstellen konnte, daß die offizielle Kunstwelt nicht bemerken würde, daß diese NICHT aus der historischen Zeit stammen... 


Das ist nun Hans Nowak besser gelungen, als man bei der Planung des Husarenstreiches hoffen konnte - er musste ja regelrecht darum kämpfen, als Urheber des besagten "Gare de Saint Lazare"-Bildes anerkannt zu werden. Dass er dies unbedingt klarstellen wollte, beweist aber, daß die Intention des Bildes eben NICHT die Herstellung (und teure Vermarktung) einer "Fälschung" war.


Deswegen tut es mir regelrecht in der Seele weh, wenn ich im Nachklang der Ausstellungseröffnung Berichte lese, die "vom Fälscher" sprechen - abgesehen davon, daß öfter behauptet wird, daß die Zeitschrift "Stern" den Auftrag zu dieser Aktion gegeben habe - die Idee schildert Hans Nowak aber in seiner Autobiographie als zwischen alten Kumpels quasi spontan entstanden und geplant - der "Stern" war nur Begleiter der Aufdeckung und für diese helfend notwendig. Deswegen wurde die Aktion dem Stern vorab angekündigt - die Bestätigung dieser Ankündigung an den "Stern" (die bereits deutlich VOR dem Bericht des "Spiegel" über die Entdeckung erfolgt war) ist bereits im Glandt/Dieckhoff-Ringbuch (dort auf Seite 48) abgebildet.




LESERBRIEF an die Braunschweiger Zeitung:

 (von der BrZ nicht veröffentlicht??)


Sehr geehrter Herr Meyer, sehr geehrte Damen und Herren,
Mit Freude hörte und las ich, daß Sie auf die Hans-Nowak-Ausstellung in Halle/Saale am 16.8.2025 in einer sehr schönen Art und Weise hingewiesen haben.
Lediglich einen Aspekt halte ich aus meiner Beschäftigung mit der Biographie Hans Nowaks für korrekturbedürftig:
Der Punkt, den ich so nicht stehen lassen möchte, ist die Aussage, daß Hans Nowak im zweiten Weltkrieg "wegen Fahnenflucht" verurteilt worden sei. Hier muss ich auf die Schilderung in der Autobiographie Nowaks zurückgreifen, da dies die einzige authentische schriftliche Schilderung des wirklichen Sachverhaltes ist:
Es war der heftige Wunsch des Anklägers, Hans Nowak wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung "an den Pfahl" zu bringen - glücklicherweise entschied sich der Richter im Kriegsgerichtsprozess, sich ein eigenes Bild von den Begebenheiten machen zu wollen - und konnte dabei keinen Hinweis auf Fahnenflucht erkennen, so daß die Verurteilung wegen "unerlaubter Entfernung von der Truppe" erfolgte. Das rettete Hans Nowak sehr wahrscheinlich das Leben, der Ankläger hatte ihn schon siegessicher in die Todeszelle einquartieren lassen, worin Hans Nowak 6 Wochen bis zur Bestätigung des milderen Urteiles zu Festungshaft ausharren musste - quasi eine psychologische Folter höchsten Grades!
Daß dies in Nowaks mündlichen Schilderungen rückblickend z.T. quasi als "Todesurteil" anklang, ist m.E. eine Folge dieser psychologischen Folter, die ihn 6 Wochen lang die Möglichkeit/Wahrscheinlichkeit des baldigen eigenen Todes befürchten ließ.
Wäre Hans Nowak wegen Fahnenflucht verurteilt worden, dürfte die Intention des Anklägers, Hans Nowak zu Tode bringen zu wollen, wesentlich wahrscheinlicher geworden sein.
Fahnenflucht beging Hans Nowak erst nach seiner Genesung von der Verwundung aus dem Bewährungsbataillon-Einsatz, als er in Hannover 3/1945 den Zug, der ihn zum Kämpfen an die Westfront karren sollte und der dann bald nach dem hannoverschen Aufenthalt bombardiert wurde, eigenmächtig verließ, um nach Braunschweig zur Familie zu fahren. Einer Verhaftung und Verurteilung deswegen konnte sich Hans Nowak aber in diesen letzten Kriegsmonaten entziehen.

Hanfried Gehlig, Braunschweig, 22.08.2025



LESERBRIEF vom 21.8.2025 zum PAZ-online-Bericht "Peines Meister der Farben..." - datiert 19.8.2025
(von der PAZ nicht veröffentlicht??)

Den Artikel finde ich sehr gut, habe nur einen kleinen Kritikpunkt: Die Verurteilung im Kriegsgerichtsprozess war lt. Autobiographie eben nicht wegen "Fahnenflucht", da der Richter sich ein eigenes Bild von den Vorgängen gemacht hatte und deswegen erst 4 Wochen später geurteilt hat. Dazu steht in der Autobiographie (sinngemäß...): Wegen "immer Uniform getragen" und "immer bei den zuständigen Stellen gemeldet und Stempel/Reiseaufträge geholt" sei das beurteilte Vergehen "Unerlaubte Entfernung von der Truppe" gewesen (bei Fahnenflucht wäre ein Todesurteil relativ naheliegend gewesen, von einem solchen steht glücklicherweise nichts mehr in dem PAZ-online-Bericht drin, da ein solches lt. Autobiographie nicht geurteilt wurde - siehe dazu mein Essay "Die drei Tode im Leben des Hans Nowak" auf meiner homepage gehlig-bs.de).

Fahnenflucht beging Hans Nowak erst nach seiner Genesung von der Verwundung aus dem Bewährungsbataillon-Einsatz, als er in Hannover 3/1945 den Zug (der ihn zum Kämpfen an die Westfront karren sollte und der dann bald nach dem hannoverschen Aufenthalt bombardiert wurde!) eigenmächtig verließ, um nach Braunschweig zur Familie zu fahren. Später auch Vernichtung der Uniform (vermutlich erst nach seiner Bruder-Besuchs-Wien-Reise...) und dann die selbstgeschriebene Entlassungsurkunde aus der Wehrmacht...

Als desertierter Soldat von Braunschweig nach Wien (und zurück) zu fahren, um den Bruder zum Verlassen seiner Dienststelle zu überreden, ist ganz schön kühn !!

Mit freundlichen Grüßen,
Hanfried Gehlig, Braun schweig, 21.08.2025